Durch den Übungsweg des Yoga gehen die verschleiernden Unreinheiten im Citta (meinenden Selbst) zurück, so dass Weisheit durchscheint und differenzierende Erkenntnisse entstehen.

 

Patanjali Yogasutra 2.28

 

 

Der bedeutendste und zugleich wichtigste Lehrer des Yoga ist Patanjali. Die von ihm überlieferte Schrift heißt "Yogasutra" und basiert auf Erfahrung. Die 195 Sätze des Yogasutra sind wie ein Reisebericht über den Weg eines Menschen in Richtung essentieller Freiheit und zugleich die Grundlage aller Yogarichtungen.

 

Ausgangspunkt des Yogasutra, das in Sanskrit verfasst wurde, ist entsprechend der Überseztung von R. Sriram die Feststellung, dass nicht im Besiegen von Feinden oder in der aktiven Gestaltung dessen, was uns umgibt das menschliche Leiden verringert werden kann, sondern in dem, was wir mit unserem Geist tun. Es geht darum, das meinende, denkende Selbst zu erforschen und zu verstehen.

 

Citta (das meinende Selbst) ist wie ein Segel. Ist es richtig gesetzt, so unterstützt es uns auf unserer Fahrt. Aus dieser Erkenntnis ist Yoga entstanden. Yoga ist ein System, welches das Verhältnis zwischen dem meinenden Selbst und dem tiefsten sehenden Kern unseres Selbst studiert und uns methodisch dahin führt, die Segel in die Hand zu nehmen und das für uns wesentliche Ziel anzusteuern und zu erreichen.

 

Um dieses Ziel zu erreichen beschreibt Patanjali den Weg der 8 Stufen:

 

1. Yama

2. Nijama

3. Asana

4. Pranayama

5. Pratyahara

6. Dharana

7. Dhyana

8. Samadi

 

 
Zu Yama gehören die 5 Regeln, die unser Verhalten gegenüber anderen Menschen definieren, d.h. Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, Nicht-Stehlen, Im Bewusstsein des Höchsten weilen, und Nicht-Horten. Niyama beinhaltet 5 weitere Regeln, die den Umgang mit uns selbst definieren, und zwar: Reinigung, Genügsamkeit, Disziplin, Selbststudium und Hingabe.

 

Eine Asana ist eine Körperhaltung, die stabil und zugleich leicht ist. In diese Haltungsqualität kommen wir nur durch regelmäßiges Üben. Die Kraftanwendung sollte dabei so erfolgen, dass unnötige Anspannung mehr und mehr vermieden wird. Beim Üben ist nicht nur die kraftvolle Bemühung, sondern auch die richtige Einstellung des Geistes wichtig. Wer so übt erhöht seine Widerstandskräfte und macht den Körper stabil.

 

Beim Pranayama geht es um die Führung des Atems. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass der Körper schon die Grundlage von Stabilität und Leichtigkeit besitzt. Über Atemübungen können wir uns mit der Tiefe unseres Daseins verbinden und dann die Kräfte ins Gleichgewicht bringen. Das Yogasutra sagt, dass Pranayama die Schleier entfernt, die das innere Licht verhüllen, und die Fähigkeit zur Konzentration ausbildet. Dies dient der Vorbereitung auf die nächsten 4 Stufen:

 

Die Besänftigung der Sinne, Pratyahara, dient dazu die Sinnesorgane zu Instrumenten werden zu lassen, die uns und nicht der äußeren Welt dienen. Nicht der äußere Reiz sondern die innere Absicht ist dann bestimmend.

 

Die letzten 3 Stufen bringen uns in Harmonie mit uns selbst. Dharana bedeutet Konzentration und anhaltende Ausrichtung. Dabei werden die Gedanken auf ein Thema konzentriert während parallel dazu Übungen mit dem Körper oder dem Atem ausgeführt werden. Dhyana, das stille Reflektieren oder Meditation ist eine Steigerung dieser Übung, die sich mit der Zeit ergibt und Samadhi, die sogenannte Erleuchtung, ist die Vervollkommnung dieser Übung, die sich auch mit der Zeit ergibt. Die Übung besteht nicht darin, die Gedanken zu unterdrücken, sondern die Konzentration der Gedanken zu ermöglichen. Der Übende wird nicht eng in seiner Wahrnehmng. Im Gegenteil. Aus der genauen Erkenntnis über das Eine kommt die genaue Erkenntnis aller Dinge. Alledings ist es wichtig, dass die Übung passend und schrittweise angestrebt wird.